Schönheit

Recherche. Bitte mal eure Fantasie. Denkt an die Erde, den ganzen Planeten. Denkt an Schönheit und Wunder. Was fällt euch ein?

Das habe ich heute bei Twitter (in längerer Form) gefragt. Zusammen gekommen ist ein Thread, der so wundervoll ist, dass ich beschlossen habe, einen Blogbeitrag darüber zu schreiben. Danke an Dani W., MamaKnopf, A.R., Tintenherz, Mupfmama, Tollabea, Juli Feuerfrau, Bärbines, Mo, Jutima, Frollein Wahn, Nana Swage, Anni, Anka, Daniela, Anne, Judith, Olli, Bianca, Ysmay, Tschilai, Karen, Cwoehli, Jetztdoch, Lord of the bits, Kleine me und allen anderen, die noch kommentiert haben, nachdem ich das hier geschrieben habe für eure wundervolle, traumhafte Fantasie!

Mehrere haben das Meer genannt. Ich liebe das Meer genauso. Liebe es, wie der warme Sand sich unter meinen Füßen anfühlt. Wie die Möwen rufen und neugierig schauen. Wie kleine Kinder kreischend vor den Wellen weglaufen, die sie zum ersten Mal in ihrem Leben sehen. Ich liebe es, wie salzig die Luft schmeckt und wie die Wellen rauschen. Wenn ich am Meer bin, wird alles in mir ruhiger. Wenn ich am Meer bin, spüre ich Freiheit und Erdung gleichzeitig.

Wenn das Wasser tobt, der Wind durch meine Haare rauscht und ich meine Kinder an die Hände nehmen muss, weil sie sonst nicht voran kommen. Wenn wir Pommes am Strand essen und die Mayo einfach mit Meerwasser abwaschen. Wenn eines der Kinder ins Wasser fällt und ich das Handyvideo stoppe, bevor es von einer zweiten Welle eiskaltes Wasser in den Schneeanzug gespült bekommt (True Story!). Wenn die Ferienwohnung sandig ist, die Koffer sandig sind und das Glänzen in ihren Augen, wenn sie zusammen mit ihren Muscheln auch irgendwelchen Schlotz mit nach Hause genommen haben (hier Augenrollen und verstopftes Waschbecken einfügen).

Auf Twitter sprachen wir über die Sterne. Ohne Streulicht auf einem Hügel stehen und sich fühlen, als schwebe man mitten im Universum. Nachts auf dem Rücken im warmen Gras liegen und Sternenbilder raten. Lachend und kichernd mit Freunden nur unter dem Licht der Sterne nach Hause laufen. Sehen, wie der neue Tag erwacht, sich mischt mit dem Leuchten der kräftigsten Sterne, nachdem man die ganze Nacht tanzen war. Das Staunen der Kinder begleiten, wenn sie ihre erste Nachtwanderung machen und den Vollmond bestaunen. Gruselgeschichten und Lieder singen am Lagerfeuer. Der Geruch der Kleidung danach. Die Stille der Nacht genießen.

Die Sonne im Herbst aufgehen sehen, wenn der Nebel noch über den Feldern schwebt. Wenn die Natur noch nicht alle Konturen geladen hat und die Ränder des Sichtfeldes verschwimmen (Gamercontent). Das feine, kalte Prickeln im Gesicht, wenn man durch eine Nebelwand läuft. Die Wärme der Sonne, die durch die Bäume scheint. Sommerregen und warme Nächte. Hitze, die man verflucht und Kälte, die man nach mehreren Wochen nicht mehr genießen kann. Eisblumen an Fenstern, frische Knospen am Apfelbaum. Kleine, dicke Hummeln, die träge die ersten Blüten anfliegen. Marienkäfer, die langsam über die Fensterbretter kriechen und von den Kindern sanft und vorsichtig nach draußen getragen werden (jeder einzelne!).

Feuchter Waldboden. Regen auf heißem Asphalt. Buntes Herbstlaub. Kalte Seen. Hohe Gräser an den Fischteichen. Nasse Schuhe vom Pfützenspringen und vollgelaufene Gummistiefel, weil die Pfütze doch zu tief war. Das Geräusch, was entsteht, wenn man in nassen Turnschuhen rennt. Die heiße Schokolade und der frische, dampfende Kaffee, um sich wieder aufzuwärmen. Die Kekskrümel in Kinderoberteilärmeln, die so gemein pieksen.

Frische Kirschen direkt vom Baum essen. Äpfel pflücken. Neue Pflanzen setzen. Kleine Setzlinge großziehen. Ein Buch unterm Sonnenschirm lesen. Sonnenstrahlen auf geschlossenen Augenlidern und diese warme, orangene Farbe, die man dann sieht. Der Geruch von nackter Haut in der Sommersonne. Der Regenbogen nach einem kurzen Schauer. Viele, bunte Blumen, summende Bienen, strahlend blauer Himmel. Riecht ihr den Sommer? Schmeckt ihr die Hitze? Fühlt ihr das Wasser auf überhitzter Haut?

Eiscreme und Kuchen und Kekse und frische Früchte! Erdbeeren pflücken auf dem Erdbeerfeld mit Bauchweh hinterher, weil man so viel genascht hat. Rasenmäher aus den Gärten. Grillgeruch und (Achtung!) Grillenzirpen am frühen Morgen. Kinderlachen, wenn sie unterm Rasensprenkler herlaufen. Das Blubbern eines Bachs. Das Glitzern der Sonne auf einem Gewässer. Und Musik! So viel Musik! Konzerte, die so laut sind, dass man nicht mehr denken kann. Musik, die bis ins Herz schießt. Lieder, die man laut mitsingen will, egal wie gut man darin ist. Durch die Küche tanzen und den Kindern 90er Jahre Songs zeigen. Berühmte Tänze nachmachen und lachen, weil es so albern ist.

Schönheit ist für viele das weiche Fell ihres Tieres. Pferdeschnauben, wenn man die weichen Nasen streichelt. Das Schnurren der Katze oder das leise Murren eines träumenden Hundes. Schönheit sind kleine, dicke Vögel. Sich streitende Elstern und jagende Falken. Ameisenstraßen und Bienenschwärme. Rehe, die früh morgens durch die Gärten huschen und die Frühaufsteher erschrecken. Schmetterlinge, die ohne Vorwarnung auf einer Hand landen und für Staunen sorgen. Das Klappern der Störche und das Muhen der Kühe. Das Zwitschern der Vögel, wenn man als erstes aufsteht und alles noch ganz leise ist.

Schönheit ist kuscheln mit den Kindern. Der erste Kuss, der letzte Kuss und jeder dazwichen. Schönheit ist Liebe und Verehrung und Achtung und Füreinander. Miteinander. Da sein. Schweigen, wenn nötig und helfen, wenn möglich. Winzig kleine Babyhände das erste Mal halten und der erste Blick in die staunenden Augen. Die Hände der Menschen nehmen, die am wichtigsten sind. Umarmungen, die ehrlich sind. Umamrungen, die halten und stützen und Last nehmen. Gleichzeitig dabei durchatmen. Gemeinsam neue Wege beschreiten und allein alte Brücken abbrechen. Schönheit liegt manchmal im Traurigen. Schönheit ist überall um uns herum.

In den letzten Monaten haben viele von uns den Blick für die Schönheit verloren. Momentan ist so vieles nicht mehr, wie wir es gewohnt sind und trotzdem. Trotzdem ist Schönheit da. Polarlichter, das Knirschen von frischem Schnee unter den Schuhen, Sonnenuntergänge, Herbstlaubhügelspringen, Nüsse sammeln, riesige Blauwale, majestätische Mantarochen, winzig kleine Raupen. Der Geruch von Babys, das Summen der Tattonadel und der erste Tag der Ferien. Essen bestellen und auf den Haushalt pfeiffen. Die paar Minuten, in denen keine Wäsche da ist, bevor eines der Kinder seinen Korb ausleert. Sternschnuppen, taunasse Wiesen und lesen lernen, so dass wahllose Buchstaben plötzlich wundervolle Geschichten zaubern. Das Lieblingsessen, Schnecken (Uuuaah!), Schmetterlinge und riesige Kathedralen. Kleine Käfer, der Geruch neuer Bücher und das Eintauchen in deren ganz eigene Universen. Schokolade! Flirten, Blödsinn reden und über Quatsch lachen. Mutig sein und etwas ganz neues ausprobieren. Die Geburt eines Kindes und der Abschied einer geliebten Person, der man gesagt hat, dass man sie liebt.

Lasst uns versuchen, mehr Schönheit zu sehen. Vielleicht müssenw ir unseren Blickwinkel hin und iweder ändern. Und vielleicht müssen wir lernen, dass es trotzdem geht, auch wenn uns dieser neue Blickwinkel noch unbequem erscheint. Lasst uns versuchen uns gegenseitig daran zu erinnern. Schickt Fotos oder Videos, auch wenn es peinlich ist. Erzählt Witze, über die nur ihr lachen könnt, einfach nur, um zu lachen. Bittet eure Liebsten um Gespräche, auch wenn die Themen immer wieder die gleichen sind. Oft ist es dunkel in unseren Köpfen und schwer in unseren Herzen. Die Schönheit bleibt. Sie ist für uns da. Lasst sie uns genießen.

Passt auf euch auf.

Eure Sarah

Alltägliches außergewöhnlich

Heute war ein Tag, an den ich sicher noch lange zurückdenken werde. Und zwar in positivem Sinne.

Es war Tag 7 der Sommerferien von K1 – 3. Die Woche war vollgepackt mit Routine, Neuerungen und keiner Pflicht (schön!). K1 war für den Nachmittag verabredet mit ihrer Großcousine.
Ich war morgens beim Sport (Neuerung Crossfit: heute habe ich mehr geschafft als ich mir vorgenommen hatte und grinse immer noch ein bisschen dümmlich stolz, wenn ich daran denke) und einkaufen mit K2 und 3, das Mittagessen war sehr lecker und die Pause entspannt mit K4 in meinem Arm.

Spontan verabredete ich mit meiner Freundin S und ihren Jungs einen gemeinsamen Spaziergang und so kam es, dass wir gemeinsam mit 7 Kindern durchs Dorf marodiert sind. Das letzte Teilstück des Heimwegs liefen K1, 2 und die Gastjungs allein und waren sehr stolz (wir Mütter verkniffen uns unsere Ermahnungen und übten uns in Vertrauen – sic!).

Kurze Zeit später traf noch mein Bruder mit seinem K1 ein, so dass wir also 8 Kinder da hatten. Im Garten war es laut, fröhlich und turbulent. Es gab ein paar Querelen, aber nichts, was man unter Geschwistern oder Freunden nicht schon kennt.

Ganze Sätze oder Unterhaltungen länger als zwei Minuten sind in so einer Umgebung mit so vielen kleinen Kindern nur schwer möglich. S und ich sind aber mittlerweile echt gut darin, Halbsätze zu sprechen und nach einer Unterbrechung einfach fortzuführen.

Und so kam es dann, dass ich zum Abendbrot 8 Kinder und neben mir noch 3 weitere Erwachsene am Tisch sitzen hatte. S fühlt sich mittlerweile so wohl bei uns, dass sie nachfragt oder einfach anpackt, die Kinder lenkt oder Aufgaben verteilt, wie ich es tun würde. Das ist sehr schön und macht mir ein gutes Gefühl. ❤

Wir haben seit einiger Zeit am Tisch häufig eine kleine Glocke, die den Kindern Aufmerksamkeit abfordert und ihnen sagt, dass sie zu laut sind. Mittlerweile klappt das leiser werden schon ganz gut und die Gastkinder haben das einfach mitgemacht.

Nach dem Essen machten sich alle auf nach Hause, beziehungsweise unsere „Großen“ auf den Weg vor den Fernseher, ich hatte noch 10 Minuten versprochen.

Als alle eineinhalb Stunden später schliefen, machte ich noch Küche und Wohnzimmer wieder klar und schreibe diese Zeilen jetzt in der Wanne.

Es war ein wirklich schöner Tag. Es war sehr laut (und das ist der einzige Minuspunkt für mich persönlich), liebevoll, lustig und zum wohlfühlen schön.

Gerade eben erfuhr ich dann noch, dass es meiner längsten und engsten Freundin E wieder sehr viel besser geht und das macht mein Herz nochmal etwas leichter.

Ich bin sehr dankbar, dass ich so viel Liebe um mich herum haben darf.

Ich hoffe, euer Tag war genauso wundervoll.

Aber es ist doch alles gut!?

Vor etwa 14 Jahren habe ich mein Staatsexamen an einem Freitag abgeschlossen.

Am darauffolgenden Montag begann ich zu arbeiten. Mindestens fünf, manchmal sechs Tage die Woche, sieben Monate ohne Pause, immer mehr als 45 Stunden, manchmal 50 oder 55. Und das war auch okay so. Ich hatte es mir ja immerhin so ausgesucht.

Dann kam ein neuer Kollege dazu, ich arbeitete ihn ein und ging drei Wochen in den Urlaub. Ich hatte auf beiden Seiten massive Karpaltunnelsyndrome, stand links viele Jahre kurz vor der OP.

Es folgten dann etwa fünf Jahre in gleichem Tempo und Umfang. Ich übernahm viele Aufgaben, die zur Leitung des Unternehmens beitrugen – mit Anfang 20, verzichtete auf Urlaub und auch Geld, verschuldete mich sogar nicht unerheblich.

Anfang 2011 zog ich die Reißleine nach etlichen gesundheitlichen Problemen und ging mit dem jetzt-Mann (damals locker zusammen) in eine andere Stadt, etwa 180km entfernt. Das war das Beste, was ich tun konnte. Rückblickend habe ich mich damit wohl vor Schlimmerem bewahrt.

Wir wollten zu November umziehen, haben es im Februar erzählt. Ich wurde sofort gekündigt und musste alleine in die neue Stadt.

Es war alles nicht einfach, zumal es für mich das erste Mal war, ohne meine Mutter und meinen Bruder klar kommen zu müssen, hat aber geklappt. Ich fühlte mich damals ausgelaugt, ausgebrannt, leer und war ziemlich verzweifelt.

Wahrscheinlich war das ein beginnendes Burn Out, wenn nicht schon mitten drin. Ein Gefühl, welches ich kaum in Worte fassen kann. Dank meiner Familie, des Mannes und einer Arbeitsstelle, die mir viel Spaß gemacht hat, hab ich mich wieder gefangen. Es hat natürlich etwas gedauert, vor allem die Schulden haben mich (und damit auch den Mann) noch lange begleitet.

Unser Leben änderte sich innerhalb weniger Jahre komplett. Wir haben lange viel Kraft investieren müssen, was den ehemaligen Arbeitgeber des Mannes angeht, sind in der Zeit auch noch zweimal umgezogen und haben vier Kinder in unter sieben Jahren bekommen. Es war ein beruflicher Prozess und ein familiärer Wandel, begleitet von den Ereignissen im näheren und weiteren Familienkreis. Neue Verantwortungen taten sich auf und alte Gewohnheiten mussten verändert werden.

Jeder von uns übernahm mit der Zeit die Rolle, auf die wir hingearbeitet hatten. Mittlerweile haben wir einige Ziele unseres Plans erreicht, die größten würde ich sagen.

Es geht uns gut. Natürlich haben auch wir Probleme in verschiedenen Bereichen, aber alles in allem können wir uns nicht beschweren.

Ich führe ein Leben bereichert mit grandiosen Kindern, einer liebevollen Ehe, einer Familie, die immer da ist und wundervollen Freunden. Ich führe ein Leben, dass ich – zugegeben – nie erwartet hätte. Ich habe so viel Glück und Liebe und Positives in meinem Leben, dass ich täglich vor Dankbarkeit und Demut erstarre.

Und doch. Vor einigen Tagen überfiel mich die Erschöpfung so überdeutlich, dass ich das getan habe, was man in solchen Situationen immer tut: man ignoriert es erst mal.

Mein Körper sandte mir ganz eindeutige Signale, setzte mich außer Gefecht. Mein Kopf machte dicht: ich konnte keiner Unterhaltung mehr folgen, vergaß Gesprächsinhalte, sobald eben jene beendet waren.

Ach was, vergaß. Ich vergesse! Ich stehe ratlos vor meinem Mann, weil ich mich eben mit ihm unterhalten habe und weiß nicht mehr worüber. Ich blicke meine Mutter nachdenklich an, weil wir eben etwas abgesprochen haben und ich nicht mehr weiß, wofür. Ich setze mich zu den Kindern auf den Boden und schaue ihnen beim Spielen zu, weil ich vergessen habe, was ich gerade für sie tun wollte.

Ich habe Migräne ohne Vorwarnung, Fressattacken und liege nachts wach.

Das, was ich jetzt an Erschöpfung empfinde lässt mich mir diese schlimme Zeit vor dem Umzug zurück wünschen. Weil ich mir einrede, dass das noch Erholung wäre. Weil ich glaube, dass ich dann wenigstens noch etwas leistungsfähig wäre. Immerhin konnte ich da wenigstens noch denken.

Diese fiese kleine Stimme in meinem Kopf macht mir Vorwürfe. „Andere bekommen es doch auch hin!“ oder „Bisher hast du es ja auch irgendwie geschafft, also reiß dich mal zusammen!“ oder „Jetzt tu mal nicht so! Du hast doch alles und Unterstützung hast du auch!“

Ich sage: „Ich kann nicht mehr.“ Und ich meine es so.

So wie es hier aktuell läuft, geht es nicht mehr. Ich sehe Kinder, Haus, Garten und gehe einkaufen. Sonst nichts. Ich schlafe schlecht, weil K4 schlecht schläft, das macht das ganze natürlich nicht besser. Meine To Do-Liste ist gefühlt meterlang und ich schaffe es nicht, die einzelnen Punkte abzuarbeiten, auch wenn es Dinge sind, die ich sehr gern ändern oder erledigen will.

Was also tun?

Meine To Do-Liste wird wohl weiterhin warten müssen. Und ich werde lernen müssen, das zu akzeptieren. Die Aufgaben laufen immerhin nicht weg (was bei der ein oder anderen gar nicht so dramatisch wäre…)

Was ich allerdings beeinflussen kann, ist mein wöchentlicher Ablauf. Selbstverständlich bleiben meine Aufgaben die gleichen, aber ich werde mir einen Ausgleich suchen. Ich werde mich wieder zum Sport anmelden, die Probestunde ist vereinbart. Dort habe ich feste Termine und zu den Kursen, die auf Mütter ausgelegt sind, kann ich K4 sogar mitnehmen – perfekte Lösung! Das ist mir der Monatsbeitrag dann auch definitiv wert.

Außerdem möchte ich gerne mal wieder allein oder mit einer Freundin vor die Tür, ins Kino oder Essen gehen. Das schlechte Gewissen lasse ich dann auch zu Hause und überlasse dem Mann die Kinder auch am nächsten Morgen noch – hoffentlich zumindest.

Ich bin nicht der Typ für so viel negatives Gedankengut, aber scheinbar bin ich an einem Tiefpunkt angekommen und musste alles gedanklich mal neu sortieren.

Ich habe so viel Zuspruch und aufmunternde Worte bei Twitter bekommen, dass ich nur noch verschüchtert hinter meiner Decke hervor geschaut habe.

Meine Freundin N hat mir sogar Schläge angedroht – ganz zurecht wohlgemerkt. Danke dafür auch nochmal an dieser Stelle an alle.

Ich bin umgeben von Freundschaft und Liebe – und unfassbar dankbar dafür.

Eure Sarah

Eigen- und Fremdwahrnehmung

Oder: Wie meine Tochter mich sieht und warum mich das wundert

Vor einigen Tagen fragte K1, ob sie mir beim kochen helfen dürfe. Das ist etwas, bei dem ich zu 99% nicht nein sage, denn für mich ist das nicht nur schön, ich halte es für wichtig. Ich habe es hauptsächlich von meiner Oma gelernt und bin ehrlich gesagt oft erstaunt, wenn mir gleichaltrige Menschen erzählen, sie lassen selbst Wasser anbrennen.

Das ist natürlich übertrieben, umschreibt die Thematik aber ganz gut.
Und so lasse ich die Kinder helfen, wenn sie mögen und ermutige sie immer wieder zu neuen Tätigkeiten – je nach Alter natürlich.

Während K1 also neben mir stand und die Tomatensauce rührte, sagte sie plötzlich: “Weißt du, ich finde es sehr toll, dass du uns immer mitmachen lässt.”

Ich freute mich und sagte ihr das, gab aber auch zu bedenken, dass ich das ja gar nicht immer machen würde – denn manchmal gehen Kleinigkeiten einfach schneller, wenn man sie selbst und allein macht.
K1 nickte langsam, rührte, und zuckte dann mit den Schultern. “Das macht ja nichts. Wir haben ja auch nicht immer Lust, da passt das so. Und ich finde toll, dass du uns so viele neue Sachen beibringst.”

Ich bat sie, mir zu sagen, welche Sachen sie meint und wunderte mich währenddessen, wie das Kind darauf kam, das anzusprechen (ich weiß es bis heute nicht).

“Du übst mit mir Handstand, mit K2 Fahrradfahren. Mit K3 sprechen und malen, auch wenn ihr das noch schwer fällt. Und mit K4 übst du so Babysachen – krabbeln und spielen. Du kannst toll Babys hüten, auch wenn es gar nicht deins ist und weint. Du bist dann trotzdem immer ruhig, ich glaube, das brauchen Babys.”

Sie schüttete etwas Salz in die Sauce, das ich ihr auf die Hand gegeben hatte und redete weiter.

“Du baust mit uns Sachen auf oder für uns (sie sprach von K2s Kettcar, wobei das der Mann war), du kannst so toll eine Pizza auf uns backen (ein Wahrnehmungsspiel), du kannst machen, dass wir alle lachen müssen und das Babys nicht mehr weinen oder einschlafen, auch wenn sie mal traurig sind. Du schimpfst auch mal, Mama, aber ich glaube, wenn alle nur Quatsch machen, dann muss auch mal jemand schimpfen.”

Und dann stand ich da, neben dem schon so großen Zwerg und hatte keine Worte, die aus meinem Mund kamen. Ich bedankte mich leise und drückte und küsste sie und musste erstmal wieder zu Luft kommen.

Ich gab ihr diese vielen wundervollen Komplimente zurück und zählte auf, was sie gut kann.

“Du kannst gut malen und basteln, du bist toll im turnen und beim Volti, du kannst wunderschöne Lieder singen und spielen. Du bist immer freundlich und höflich zu den Menschen, auch wenn sie vielleicht etwas komisch sind oder sich seltsam benehmen. Du behandelst alle Menschen gleich und das ist nicht nur wunderschön, sondern auch sehr wichtig. Du teilst deine Sachen, ohne dass deine Geschwister fragen müssen, einfach so. Und du kannst nein sagen und deine Meinung vertreten – das ist genauso toll und wichtig.”

Sie strahlte mich an, etwas verlegen, aber stolz. Wir drückten uns und deckten den Tisch und dieser intime Moment war vorbei.

Abends im Bett habe ich noch eine Weile darüber nachgedacht. Zuerst war ich irritiert: “Warum sieht sie mich so? Ich bin doch noch viel mehr als Mama und Hüterin und Bespaßerin und Vorbild.”

Ich bin eine Ehefrau, ich bin eine Frau, ich bin eine Freundin, eine Schwester, ich bin Ergotherapeutin. Ich bin freundlich und höflich, auch wenn Menschen mir gegenüber es nur wenig oder nicht sind. Ich bin hilfsbereit und habe für jeden ein offenes Ohr oder eine Umarmung, wenn benötigt. Ich bin der Rückhalt für meinen Mann, die Unterstützung für meine Mama (Ist Quatsch, das ist sie mehr für mich!) und meinen Bruder mit seiner kleinen Familie. Ich bin verlässlich, ich bin meistens eher ruhig und zurückhaltend und deswegen für viele Leute wohl vertrauensvoll. Ich habe beruflich viele Fähigkeiten und Fertigkeiten, ich kann auf eine recht gute Karriere vor den Kindern zurückblicken. Ich kann zeigen und lehren, ohne zu bevormunden.

Und dann fiel es mir auf. K1 kennt mich in vielen Bereichen nicht, weil es Bereiche vor ihrer Geburt waren. Dafür kennt sie Seiten von mir, die erst durch sie selbst erschaffen wurden.

K1 ist wie ich. Sie hat angenommen und umgesetzt, was ich ihr von Anfang an vorgelebt habe. Sie behandelt alle Menschen gleich, alle sind gleich wichtig und trotzdem ist niemand der Mittelpunkt. Es gibt bei uns kein IHR und DIE, es gibt nur ein WIR und das lebt sie jeden Moment.

Ich bin so stolz, so sehr, auf dieses kleine, große Mädchen und dankbar bin ich auch.

So viel Liebe und sie ist um mich herum. Wundervoll.

Eure Sarah

Noch ein Familienblog?!

Ja, ich weiß – es gibt schon unendlich viele Familienblogs.

Und nein, meiner ist nichts Besonderes oder Außergewöhnliches.

Was ich früher in Tagebücher geschrieben (wo sind die eigentlich?) und danach in Dokumente getippt habe, möchte ich jetzt hier machen. Ich möchte diesen Blog als Tagebuch und Erinnungs Denkarium (<3) nutzen. Wer mag, darf gern etwas stöbern und uns begleiten.

Ich werde Geschichten aus unserem Alltag posten, meine Meinung zu verschiedenen Themen kundtun und wenn ich irgendwann rausgefunden habe (Hilfe!!), wie Verlinkungen funktionieren, vielleicht auch mal den ein oder anderen Hashtag verbloggen.

Ich freue mich, dass ihr da seid und verbleibe mit verschwitzten Grüßen!

Eure Sarah