Schönheit

Recherche. Bitte mal eure Fantasie. Denkt an die Erde, den ganzen Planeten. Denkt an Schönheit und Wunder. Was fällt euch ein?

Das habe ich heute bei Twitter (in längerer Form) gefragt. Zusammen gekommen ist ein Thread, der so wundervoll ist, dass ich beschlossen habe, einen Blogbeitrag darüber zu schreiben. Danke an Dani W., MamaKnopf, A.R., Tintenherz, Mupfmama, Tollabea, Juli Feuerfrau, Bärbines, Mo, Jutima, Frollein Wahn, Nana Swage, Anni, Anka, Daniela, Anne, Judith, Olli, Bianca, Ysmay, Tschilai, Karen, Cwoehli, Jetztdoch, Lord of the bits, Kleine me und allen anderen, die noch kommentiert haben, nachdem ich das hier geschrieben habe für eure wundervolle, traumhafte Fantasie!

Mehrere haben das Meer genannt. Ich liebe das Meer genauso. Liebe es, wie der warme Sand sich unter meinen Füßen anfühlt. Wie die Möwen rufen und neugierig schauen. Wie kleine Kinder kreischend vor den Wellen weglaufen, die sie zum ersten Mal in ihrem Leben sehen. Ich liebe es, wie salzig die Luft schmeckt und wie die Wellen rauschen. Wenn ich am Meer bin, wird alles in mir ruhiger. Wenn ich am Meer bin, spüre ich Freiheit und Erdung gleichzeitig.

Wenn das Wasser tobt, der Wind durch meine Haare rauscht und ich meine Kinder an die Hände nehmen muss, weil sie sonst nicht voran kommen. Wenn wir Pommes am Strand essen und die Mayo einfach mit Meerwasser abwaschen. Wenn eines der Kinder ins Wasser fällt und ich das Handyvideo stoppe, bevor es von einer zweiten Welle eiskaltes Wasser in den Schneeanzug gespült bekommt (True Story!). Wenn die Ferienwohnung sandig ist, die Koffer sandig sind und das Glänzen in ihren Augen, wenn sie zusammen mit ihren Muscheln auch irgendwelchen Schlotz mit nach Hause genommen haben (hier Augenrollen und verstopftes Waschbecken einfügen).

Auf Twitter sprachen wir über die Sterne. Ohne Streulicht auf einem Hügel stehen und sich fühlen, als schwebe man mitten im Universum. Nachts auf dem Rücken im warmen Gras liegen und Sternenbilder raten. Lachend und kichernd mit Freunden nur unter dem Licht der Sterne nach Hause laufen. Sehen, wie der neue Tag erwacht, sich mischt mit dem Leuchten der kräftigsten Sterne, nachdem man die ganze Nacht tanzen war. Das Staunen der Kinder begleiten, wenn sie ihre erste Nachtwanderung machen und den Vollmond bestaunen. Gruselgeschichten und Lieder singen am Lagerfeuer. Der Geruch der Kleidung danach. Die Stille der Nacht genießen.

Die Sonne im Herbst aufgehen sehen, wenn der Nebel noch über den Feldern schwebt. Wenn die Natur noch nicht alle Konturen geladen hat und die Ränder des Sichtfeldes verschwimmen (Gamercontent). Das feine, kalte Prickeln im Gesicht, wenn man durch eine Nebelwand läuft. Die Wärme der Sonne, die durch die Bäume scheint. Sommerregen und warme Nächte. Hitze, die man verflucht und Kälte, die man nach mehreren Wochen nicht mehr genießen kann. Eisblumen an Fenstern, frische Knospen am Apfelbaum. Kleine, dicke Hummeln, die träge die ersten Blüten anfliegen. Marienkäfer, die langsam über die Fensterbretter kriechen und von den Kindern sanft und vorsichtig nach draußen getragen werden (jeder einzelne!).

Feuchter Waldboden. Regen auf heißem Asphalt. Buntes Herbstlaub. Kalte Seen. Hohe Gräser an den Fischteichen. Nasse Schuhe vom Pfützenspringen und vollgelaufene Gummistiefel, weil die Pfütze doch zu tief war. Das Geräusch, was entsteht, wenn man in nassen Turnschuhen rennt. Die heiße Schokolade und der frische, dampfende Kaffee, um sich wieder aufzuwärmen. Die Kekskrümel in Kinderoberteilärmeln, die so gemein pieksen.

Frische Kirschen direkt vom Baum essen. Äpfel pflücken. Neue Pflanzen setzen. Kleine Setzlinge großziehen. Ein Buch unterm Sonnenschirm lesen. Sonnenstrahlen auf geschlossenen Augenlidern und diese warme, orangene Farbe, die man dann sieht. Der Geruch von nackter Haut in der Sommersonne. Der Regenbogen nach einem kurzen Schauer. Viele, bunte Blumen, summende Bienen, strahlend blauer Himmel. Riecht ihr den Sommer? Schmeckt ihr die Hitze? Fühlt ihr das Wasser auf überhitzter Haut?

Eiscreme und Kuchen und Kekse und frische Früchte! Erdbeeren pflücken auf dem Erdbeerfeld mit Bauchweh hinterher, weil man so viel genascht hat. Rasenmäher aus den Gärten. Grillgeruch und (Achtung!) Grillenzirpen am frühen Morgen. Kinderlachen, wenn sie unterm Rasensprenkler herlaufen. Das Blubbern eines Bachs. Das Glitzern der Sonne auf einem Gewässer. Und Musik! So viel Musik! Konzerte, die so laut sind, dass man nicht mehr denken kann. Musik, die bis ins Herz schießt. Lieder, die man laut mitsingen will, egal wie gut man darin ist. Durch die Küche tanzen und den Kindern 90er Jahre Songs zeigen. Berühmte Tänze nachmachen und lachen, weil es so albern ist.

Schönheit ist für viele das weiche Fell ihres Tieres. Pferdeschnauben, wenn man die weichen Nasen streichelt. Das Schnurren der Katze oder das leise Murren eines träumenden Hundes. Schönheit sind kleine, dicke Vögel. Sich streitende Elstern und jagende Falken. Ameisenstraßen und Bienenschwärme. Rehe, die früh morgens durch die Gärten huschen und die Frühaufsteher erschrecken. Schmetterlinge, die ohne Vorwarnung auf einer Hand landen und für Staunen sorgen. Das Klappern der Störche und das Muhen der Kühe. Das Zwitschern der Vögel, wenn man als erstes aufsteht und alles noch ganz leise ist.

Schönheit ist kuscheln mit den Kindern. Der erste Kuss, der letzte Kuss und jeder dazwichen. Schönheit ist Liebe und Verehrung und Achtung und Füreinander. Miteinander. Da sein. Schweigen, wenn nötig und helfen, wenn möglich. Winzig kleine Babyhände das erste Mal halten und der erste Blick in die staunenden Augen. Die Hände der Menschen nehmen, die am wichtigsten sind. Umarmungen, die ehrlich sind. Umamrungen, die halten und stützen und Last nehmen. Gleichzeitig dabei durchatmen. Gemeinsam neue Wege beschreiten und allein alte Brücken abbrechen. Schönheit liegt manchmal im Traurigen. Schönheit ist überall um uns herum.

In den letzten Monaten haben viele von uns den Blick für die Schönheit verloren. Momentan ist so vieles nicht mehr, wie wir es gewohnt sind und trotzdem. Trotzdem ist Schönheit da. Polarlichter, das Knirschen von frischem Schnee unter den Schuhen, Sonnenuntergänge, Herbstlaubhügelspringen, Nüsse sammeln, riesige Blauwale, majestätische Mantarochen, winzig kleine Raupen. Der Geruch von Babys, das Summen der Tattonadel und der erste Tag der Ferien. Essen bestellen und auf den Haushalt pfeiffen. Die paar Minuten, in denen keine Wäsche da ist, bevor eines der Kinder seinen Korb ausleert. Sternschnuppen, taunasse Wiesen und lesen lernen, so dass wahllose Buchstaben plötzlich wundervolle Geschichten zaubern. Das Lieblingsessen, Schnecken (Uuuaah!), Schmetterlinge und riesige Kathedralen. Kleine Käfer, der Geruch neuer Bücher und das Eintauchen in deren ganz eigene Universen. Schokolade! Flirten, Blödsinn reden und über Quatsch lachen. Mutig sein und etwas ganz neues ausprobieren. Die Geburt eines Kindes und der Abschied einer geliebten Person, der man gesagt hat, dass man sie liebt.

Lasst uns versuchen, mehr Schönheit zu sehen. Vielleicht müssenw ir unseren Blickwinkel hin und iweder ändern. Und vielleicht müssen wir lernen, dass es trotzdem geht, auch wenn uns dieser neue Blickwinkel noch unbequem erscheint. Lasst uns versuchen uns gegenseitig daran zu erinnern. Schickt Fotos oder Videos, auch wenn es peinlich ist. Erzählt Witze, über die nur ihr lachen könnt, einfach nur, um zu lachen. Bittet eure Liebsten um Gespräche, auch wenn die Themen immer wieder die gleichen sind. Oft ist es dunkel in unseren Köpfen und schwer in unseren Herzen. Die Schönheit bleibt. Sie ist für uns da. Lasst sie uns genießen.

Passt auf euch auf.

Eure Sarah

3 Gedanken zu “Schönheit

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